II. Schriftenfest

am 19. und 20. Juli 2014 in Dresden

Rückblick

Stand im Jahr 2013 das Programm des 1. Schriften­festes weitgehend im Zeichen der Bodoni, dieser wundervollen, klassizistischen Schrift des genialen italienischen Buchkünstlers und Schriftschneiders Giambattista Bodoni (1740 – 1813), so waren es diesmal, beim 2. Dresdner Schriftenfest, zwei ganz verschiedene Alphabete, denen wir uns gewidmet haben: der Alten Schwabacher und der Futura.

Alte Schwabacher

Verein für die Schwarze Kunst

Nicht verändert hat sich hingegen unsere Liebe und unser Engage­ment für den Bleisatz und den Buchdruck. Im Gegenteil, die positive Resonanz, die Begeisterung, mit der nicht zuletzt die junge Generation unter den Gestaltern und Typographen die Vorführungen, die Arbeitsschritte – Schriftgießen, Setzen, Drucken etc. im letzten Jahr mitverfolgten, das handwerkliche Können der Akteure oder die angesammelten Raritäten bewunderten, das alles ermutigte uns, auch in diesem Jahr wieder nach Dresden einzu­laden. Hinzu kamen zwei weitere Momente: Der vielfach geäußerte Wunsch nach praktischen Workshops und die Bereitschaft, bei der Sichtung und Einordnung all der Kostbarkeiten – historische Holz- und Bleilettern oder seltene Matrizen aus lange zurückliegenden Zeiten – mitzuhelfen. Herzlich willkommen also bei diesem Fest für die Hände und die Augen, bei dem die Teilnehmer den Werkstattgeruch und das Geräusch der Maschinen genießen konnten.

Vorträge, Besichtigung und Vorführungen

Unser Tagungsprogramm bestand wie im Vorjahr aus Besichti­gungen, Vorträgen und Vorführungen, hinzu kamen Berichte von Studierenden über Tätigkeiten im Hause oder Ergebnisse ihrer Spurensuche, beispielsweise Nachforschungen an den Originalen zur Futura, also den Schablonen, mit deren Hilfe die Schriftmatrizen gefertigt wurden, und die sich in der Offizin befinden.

(Video: © Merle Sommer und Anna Puig)

Es schloß sich ein Vortrag von Horst Moser über Paul Renner und seine Futura an. Das zweite Referat zur Schrift befaßte sich mit Varianten der Schwabacher. Anlaß zu diesem Thema waren Original-Matrizen aus dem 16. Jahrhundert, vermutlich die ältesten Matrizen überhaupt, die sich in Deutschland erhalten haben. Weiter eine Verzierte Schwabacher, die etwa 1885 in der Reichs­druckerei entstand – ebenfalls ein Unikat.

In Verbindung mit dem Schriftenfest fand die 2. Mitglieder­versammlung des Vereins für die Schwarze Kunst statt, verfolgen doch beide – Verein wie Offizin – die gleichen Ziele: handwerk­liches Können der traditionellen Berufe des Schriftgießerei- und Druckgewerbes zu bewahren und die Weitervermittlung an nach­folgende Generationen zu unterstützen.

Internetseite des Vereins für die Schwarze Kunst

Programm

Samstag, 19. Juli 2014

9.30 Uhr
Willkommen – Registrierung
10.00 – 10.30 Uhr
Begrüßung und Vorstellung der Besonderheiten der Offizin
10.30 – 12.00 Uhr
Setzen und Drucken in der Werkstatt: Alle Maschinen laufen, jeder kann einen Winkelhaken in die Hand nehmen oder am Handtiegel selbst drucken.
12.00 – 13.00 Uhr
Führung durch die Schatzkammern: Erste Resultate der Katalogisierung: die Studentinnen Anna und Merle
13.00 – 14.00 Uhr
Mittagspause: Kalte Köstlichkeiten, wie Schinken, Fisch, Käse, Salate etc.
14.00 – 14.45 Uhr
Prof. N.-C. Fritsche: Erfolgreiche Workshops mit Studenten in der Offizin
14.45 – 15.30 Uhr
Eckehart SchumacherGebler: Die Schwabacher zum Anfassen u. a. Original-Matrizen aus dem 16. Jahrhundert
15.30 – 16.00 Uhr
Buchpremiere: Bibliothek SG »Der Wolf …« in der Alten Schwabacher
Karl Lierl: Handwerkliche Fähigkeiten im 21. Jahrhundert (Vortrag von 2013)
16.00 – 16.30 Uhr
Kaffeepause
16.30 – 18.00 Uhr
Prof. Sybille Schmitz Handsatzwerkstatt im Unterricht
18.00 – 18.30 Uhr
Spurensuche an Originalen zur Futura. Drucke von Studierenden der MDH Mediadesign-Hochschule, München
18.30 – 19.15 Uhr
Horst Moser: Die Futura und ihr Schöpfer Paul Renner
20.00 – 22.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen (Buffet) in geselliger Runde

Sonntag, 20. Juli 2014

10.00 Uhr
2. Mitgliederversammlung des Vereins für die Schwarze Kunst e. V. (Regularien, Anträge, Beschlüsse, evtl. Satzungs­änderungen oder Nachwahlen etc.)
13.00 – 14.00 Uhr
Pause
14.00 – 14.45Uhr
Druck eines Plakats auf der großen Andruckpresse mit Holzbuchstaben einer kürzlich in der Offizin entdeckten Schrift (enge Schneidler-Latein). Allgemein gilt: Nicht alles, was wir für das Fest vorbereitet haben, kann hier erwähnt werden, aber alles ist zu sehen und kann erlebt werden.
14.45 – 15.00 Uhr
Später – bei einem Glas Prosecco: Auf Wiedersehen! – Arrivederci!  – Goodbye! – Au revoir! – ¡Hasta luego! – Uf Wiederluege! – Bis zum nächsten Jahr!
15.30 – 17.00 Uhr
Teilnehmer am Schriftenfest haben im Anschluß die Möglichkeit zu einem Besuch der Grafikwerkstatt Dresden, Junghansstraße 3 (Technische Sammlungen der Stadt Dresden). www.handpressendruck.de

Weitere Empfehlungen

Für Teilnehmer, die schon am Vortag anreisen oder einen Tag anhängen möchten:

18. Juli, 20.00 Uhr
»Kirchenführung und Orgelklänge« in der Frauenkirche in Dresden; Karten 03 51 / 65 60 61 00 (10,– Euro)
20. Juli, 19.30 Uhr
»Klavierkonzert in der Auferstehungskirche« in Dresden-Plauen