I. Schriftenfest

am 10. und 11. August 2013 in Dresden

Rückblick

Das Schriftenfest wurde am 10. August um 10.00 Uhr mit der Begrüßung der Teilnehmer und einem kurzen Überblick über die Geschichte der Offizin Haag-Drugulin (gegr. 1829) von Eckehart SchumacherGebler eröffnet. Wie viele wissen, besaß die Offizin früher eine eigene Schriftgießerei mit vielen herausragenden Schriften, darunter die Janson-Antiqua. Die Gießerei wurde 1919 an die Schriftgießerei D. Stempel in Frankfurt am Main veräußert. Nach der Einführung konnten alle Besucher die technischen Einrichtungen, (2 Heidelberger Druckzylinder, 3 Tiegel, 3 Andruckpressen, 3 Monotaster, 6 Gießmaschinen, die Setzerei mit einem guten Dutzend an Arbeitsplätzen, das Matrizen-Magazin etc.) besichtigen, vor allem die unermeßlichen Schriftbestände.

Diashow

Nach dem italienischen Imbiß ging es weiter mit einem Vortrag. Der dafür angedachte Referent Martino Mardersteig hatte jedoch von seiner Familie keinen Urlaub vom Urlaub bekommen. An seiner Stelle berichtete SchumacherGebler über Bodoni, sein Leben, seine Alphabete und über viele der im 20. Jahrhundert entstandenen Bodoni-Repliken.

Die Ausführungen ließen sich in der anschließenden kleinen Ausstellung vertiefen. Sie zeigte Werke über und von Bodoni, darunter – in wundervollen Ledereinbänden der damaligen Zeit – die Prachtexemplare des ›Horaz‹ und des ›Longinus de Dionysius‹, letzteres mit der seltenen Widmung an Pius VI, die meistens fehlt. Alle drei Schriftproben Bodonis waren zu sehen: ›Fregi e Majuscole‹ (1771) im Original (mit der fast eins zu eins von Fournier übernommenen Titelseite); das Manuale Tipografico (1788), ein perfekt von Giovanni Mardersteig im Buchdruck gefertigtes Faksimile; und das posthum erschienene Manuale Tipografico (1818), das Hauptwerk Bodonis, in einer Ausgabe von Franco Maria Ricci (Offset). Daneben eine Fülle von Einzelproben deutscher und wie auch ausländischer Schriftgießereien des vergangenen Jahrhunderts, die darin ihre Bodoni-Versionen den Kunden darstellten.

Die darauf folgende Gründungsversammlung endete mit dem Aufruf, einen Förderverein unter dem Namen ›Verein für die Schwarze Kunst‹ zu gründen, dem die anwesenden Teilnehmer unisono zustimmten.

Den Kern der Veranstaltung – es war der letzte Punkt auf dem Programm an dem Tag – traf Karl Lierl (München) mit seinem Vortrag über die ›Bedeutung von handwerklichen Fähigkeiten im 21. Jahrhundert‹. Die klugen und fundierten Überlegungen trafen bei den Anwesenden breite Zustimmung. Es wurde angeregt, die ausgezeichnete, freiformulierte Rede im Druck wiederzugeben.

Zum Tagesausklang gab es noch eine Überraschung: Indra Kupferschmid überbrachte die Nachricht, daß die Hochschule der bildenden Künste Saar, Eckehart SchumacherGebler, den Initiator des Ganzen, zum Professor h. c. bestellt habe. Gratulation von allen Seiten.

Der wichtigste und zugleich erste Punkt der Tagesordnung am darauffolgenden Sonntag war die erste Mitgliederversammlung des neu gegründeten Fördervereins für die Schwarze Kunst.

Für die Einweihung der gerade erst aufgestellten großformatigen Grafix-Andruckpresse hatte Erik Spiekermann ein Schriftenplakat gestaltet, das er mit Assistenz seiner Freunde auch selber druckte. Es zeigte die von Louis Oppenheim 1927 entworfene ›Fanfare‹, die bei der Schriftgießerei H. Berthold AG in Berlin herausgekommen war.

Ausklang: Abschieds-Prosecco, ein Wort des Dankes vom neuen Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Niels-Christian Fritsche. Arrivederci! – Ein Teil der Besucher traf sich anschließend in der Grafikwerkstatt Dresden, um deren Einrichtungen zu bewundern.

Verein für die Schwarze Kunst: Vorstand und Beisitzer (Foto: © Michael Bundscherer)
Verein für die Schwarze Kunst: Vorstand und Beisitzer
(Foto: © Michael Bundscherer)

von links nach rechts: Dr. Jürgen Franssen, Tjalf Boris Prößdorf, Stefan Huber, Rosalinde Natzschka, Susanne Zippel, Prof. Dr. Niels-Christian Fritsche, Jan Gassel (11. August 2013)

Programm

Samstag, 10. August 2013

9.30 Uhr
Benvenuti – Registrierung
10.00 – 10.30 Uhr
Eckehart SchumacherGebler
Begrüßung und Vorstellung der Besonderheiten der Offizin
10.30 – 12.00 Uhr
Führung durch die Schatzkammern und die technischen Einrichtungen (Handsatz, Druckerei, Monotype-Gießerei, Matrizen-Magazin etc.)
12.00 – 13.00 Uhr
Einweihung des »Thompson Casters« mit dem Guß der Bodoni True Face Initialen als Souvenir für Besucher
13.00 – 14.00 Uhr
Spuntino alla Parmigiana (pane con prosciutto, formaggio parmigiano, acqua, prosecco di Valdobbiadene)
14.00 – 14.45 Uhr
Eckehart SchumacherGebler
Leben und Wirken von Giovanni Battista Bodoni als Schriftkünstler, Buchgestalter und Drucker
14.45 – 15.30 Uhr
Seine wichtigsten Werke im Original – eine kleine, erlesene Ausstellung
15.30 – 16.00 Uhr
Buchpremiere: Neuauflage »Jean Paul: Gianozzo« mit einer Fülle von kompletten Bodoni-Alphabeten (Jean Paul könnte ebenfalls ein rundes Jubiläum feiern: er ist vor genau 250 Jahren, 1763, zur Welt gekommen.)
16.00 – 16.30 Uhr
Kaffee-Pause
16.30 – 18.00 Uhr
Gründungsversammlung des Fördervereins für die Schwarze Kunst
18.00 – 18.30 Uhr
Pause
18.30 – 19.15 Uhr
Karl Lierl
Die Bedeutung von handwerklichen Fähigkeiten im 21. Jahrhundert
20.00 – 22.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen in geselliger Runde

Sonntag, 11. August 2013

9.30 Uhr
1. Mitgliederversammlung des neuen Fördervereins. Wahl des Vorstands und der Beisitzer. Anträge und/oder Beschlüsse zu den Vereinszielen und dem Entwurf der Satzung.
11.30 – 12.00 Uhr
Pause
12.00 – 13.00 Uhr
Einweihung einer neu aufgestellten Präzisionspresse. Druck der Gründungs-Urkunde mit vollständigem Zeichensatz einer von Bodoni selbst geschnittenen Schrift.
Jedes Gründungsmitglied erhält ein Exemplar.
13.00 – 13.30 Uhr
Conclusione e Commiato con Prosecco di Valdobbiadene. – Arrivederci!

Weitere Empfehlungen

Für Teilnehmer, die schon am Vortag anreisen oder einen Tag anhängen möchten.

Freitag, 9. August 2013, 20.00 Uhr
Kirchenführung und Orgelklang in der Frauenkirche in Dresden.
Karten 03 51/6 56 06 100 (10,– €)
Sonntag, 11. August 2013, ab 12.15 Uhr
ENDEGRA Dresden 2013
Beginn der ENDEGRA Dresden, einer einwöchigen Künstler-/Drucker-Veranstaltung mit Workshops, Vorträgen etc. Teilnehmer am »Schriftenfest Dresden« sind willkommen.
Sonntag, 11. August 2013, 20.00 Uhr
Festkonzert in der Gläsernen Manufaktur
Im Rahmen des Moritzburg Festivals in Dresden mit Werken von Mozart, Berg, Marini, Brahms.
Informationen und Karten unter www.moritzburgfestival.de, Telefon 03 51/4 86 66 66