5. Schriftenfest

am 17. und 18. Juni 2017 in Dresden

Herzlich willkommen!

Ganz herzlich möchten wir Sie wie in den vergangenen Jahren zu unserem Schriftenfest 2017 einladen. Wir freuen uns, daß bekannte Referenten unserer Einladung gefolgt sind und uns interessante Beiträge erwarten.

Schriftenfest 2017

Vorträge, Besichtigung und Vorführungen

Lesbarkeit, ein zentrales Thema für alle, die mit der Vermittlung von Wissen zu tun haben, ist einer der Schwerpunkte unseres diesjährigen Schriften­festes. Das Wort Petrarcas kommt einem in den Sinn: »Ich will nicht, daß man ohne Mühe lese, was ich nicht ohne Mühe geschrieben habe«. Diese Mühewaltung, die er einfordert, bezieht sich aber auf den textlichen Inhalt, auf die Auseinandersetzung mit seinen Gedanken und Vorstellungen, nicht auf den Prozeß des Lesens als solchen. Diesen leicht und flüssig, so mühelos als nur denkbar zu gestalten ist Aufgabe der Typographie und der Typo­graphen. Konkret besteht sie in der Gliederung und Aufbereitung einer visuellen Information im Sinne unmißverständlicher und rascher Aufnahme durch den Rezipienten und, ganz wichtig, in der Einbeziehung der zu verwendenden Materialien, Schrift, Bild, Papier etc. Auch sie sind Teil der Typographie.

Die Arbeit der Typographen ist eine in hohem Maße verantwortungsvolle Tätigkeit. Studium und Ausbildung nehmen einen verhältnismäßig langen Zeitraum in Anspruch und basieren weitgehend auf dem gedruckten Wort. Effizienz und zeitliche Dauer lassen sich durch gute Gestaltungslösungen positiv beeinflussen, was natürlich auch umgekehrt gilt. In ganz besonderem Maße aber ist die Typographie gefordert, wenn es darum geht, vor Gefahren zu warnen, wie bei kritischen Situationen im Straßenverkehr, beim Umgang mit gefährlichen Substanzen oder der Einnahme von Medikamenten. Ist der Beipackzettel in einer zu kleinen oder nicht gut lesbaren Schrift gedruckt, kann dies schlimme Folgen nach sich ziehen.

Die Lesbarkeit einer Schrift ist daher seit jeher von besonderer Bedeutung. Doch welche Kriterien sind ausschlaggebend, wie läßt sie sich messen oder definieren? Zwei junge Schriftentwerfer, Antonia Cornelius, sie studiert bei dem Schriftkünstler Jovica Veljovic und hat die Legilux entworfen, und Björn Schumacher, er hat gerade ein Studium bei Albert-Jan Pool abgeschlossen und seine neue Schrift trägt den Arbeitstitel Text Type, haben ihre Neuschöp­fungen gemeinsam mit einer dritten Schrift, einer digitalen Walbaum-Version von Berthold verglichen und auf Leserlichkeit untersucht. Das Ergebnis werden sie, begleitet von beiden Mentoren, auf dem Schriftenfest vorstellen, wobei Prof. Jovica Veljovic seine jüngste und gerade vollendete Schrift präsentieren wird (der Name – er wird erst auf dem Schriftenfest verraten).

Zurück zur Walbaum von Berthold und natürlich auch zu deren Ausgangs­vorlage, der bekannten klassizistischen Schrift von Justus Erich Walbaum. Wer einen Blick auf das Original wirft, wird feststellen, daß Walbaum bei den Textgraden bis 12 Punkt den für klassizistische Schriften so charakte­ristischen Kontrast zwischen Haar- und Grundstrichen, der aber in diesen Graden immer in gewissem Maße die Lesbarkeit beeinträchtigt, zurück­genommen hat, er die Gegensätze erst ab 16 Punkt voll zur Wirkung kommen läßt. Günter Gerhard Lange, künstlerischer Leiter bei H. Berthold, hat diese Merkmale sicher ebenso geschätzt wie Walbaum selbst, doch Veränderungen von Schriftgrad zu Schriftgrad sind beim manuellen Stempelschnitt, nicht aber im Fotosatz realisierbar. Blieb also nur die Möglichkeit, zwei Versionen zu schaffen, die Walbaum Standard, die sich an den Brotschriftgraden orientiert und für den erwähnten Vergleich herangezogen wurde, und die Walbaum Buch, die auf dem 16-Punkt-Grad basiert. Um die Unterschiede zwischen den beiden Originalschnitten zu zeigen, ist auf der Vorderseite die Bleisatz-Walbaum in 12 Punkt abgebildet, auf der Rückseite die in 16 Punkt.

Internationales ›Jikji‹-Festival
in Cheongju, Korea

Nicht jeder hierzulande weiß, wem die Menschheit die Erfindung des Druckens zu verdanken hat, die unsere Welt so grundlegend veränderte. Weniger noch ist bekannt, daß bereits 200 Jahre früher in Korea mittels Sandgußverfahren Lettern hergestellt wurden, mit denen man auf ähnliche Art drucken konnte. ›Jikji‹ lautet der Titel des nur in einem einzigen Exemplar erhaltenen Buches, das im Heungdeok-Tempel in Cheongju 1377 gefertigt wurde und zum Weltkulturerbe zählt. Das Ereignis wird alle zwei Jahre im großen Stil gefeiert, worüber Jung-Ja Holm aus Korea berichten wird.

Raritäten aus dem Archiv – eine Ausstellung

Die Namen Offizin Haag-Drugulin und SchumacherGebler waren schon immer ein Synonym für Schriftenvielfalt und typographische Sorgfalt, Voraussetzungen für anspruchsvolle Drucke. Die Verbindung beider Unter­nehmen erfolgte 1992 – ein Ereignis, das sich 2017 zum fünfund­zwanzigsten Mal jährt. Aus diesem Anlaß resultiert die Ausstellung mit frühen wie auch besonderen Buchausgaben, darunter die berühmten Marksteine der Weltliteratur.

Programm

Samstag, 17. Juni 2017

10.00 Uhr
Willkommen – Anmeldung
10.30 – 11.30 Uhr
Begrüßung – danach Eröffnung der Ausstellung: Die Drugulin-Drucke.
11.30 – 12.30 Uhr
Rundgang durch die Werkstätten.
12.45 – 13.45 Uhr
Mittagspause: Kalte Köstlichkeiten, wie Schinken, Fisch, Käse, Salate.
14.00 – 14.45 Uhr
Jung-Ja Holm, Korea:
»Das Internationale ›Jikji‹-Festival in Cheongju« – über die Bedeutung der koreanischen Schriftkultur, die Holztafeln des Haeinsa-Klosters, Lettern im Sandgußverfahren und König Sejong.
15.00 – 15.45 Uhr
Rebekka Hettinger und Caro Perkuh, Berlin:
»Digital war gestern«. Studenten der Mediadesign Hochschule verbringen eine spannende Woche an den Setzkästen der Offizin.
16.00 – 16.30 Uhr
Kaffeepause
16.45 – 17.30 Uhr
Eckehart SchumacherGebler, Dresden:
Buchpremiere: »Die Formenschneider Walbaum und ihre raren Schriftproben von 1803 und 1836 in Faksimile.«
17.30 – 18.15 Uhr
Antonia Cornelius, Hamburg:
»Legilux: eine Textschrift mit Charakter, die sich besonders in kleinen Graden durch gute Leserlichkeit auszeichnet.«
18.00 – 19.00 Uhr
Jovica Veljovic, Hamburg:
Seine neueste Schrift – dazu: »Wieviel Schriftschnitte braucht der Mensch? Und was machen wir mit dem Rest?«
19.00 – 22.00 Uhr
Gemeinsames Abendessen (Buffet) in geselliger Runde

Sonntag, 18. Juni 2017

10.00 Uhr
Albert-Jan Pool, Muthesius, Kiel:
»Leserlichkeit nach DIN 1450. Welche Erkenntnisse gingen in die Norm ein und welche Konsequenzen haben sie für uns?«
10.30  – 11.00 Uhr
Björn Schumacher, Kiel:
»Schriftgestaltung und Leserlichkeit: über die Entwicklung der Text Type und andere Leseschriften im Vergleich.«
11.00 – 13.00 Uhr
5. Mitgliederversammlung des Vereins für die Schwarze Kunst e. V. (Regularien, Berichte von Vorstand, Schatzmeisterin, Rechnungsprüfern, Arbeitskreisen; Anträge; Beschlüsse)
http://verein-fuer-die-schwarze-kunst.de
https://www.facebook.com/groups/298410960345336
11.00 – 13.00 Uhr
Parallel dazu: Experten unter sich. Erfahrungsaustausch von Praktikern darüber, wie sich technische Schwierigkeiten beispielsweise an der Monotype oder anderen Maschinen beheben lassen. Eine Hilfe zur Selbsthilfe.
13.15 – 14.15 Uhr
Pause mit kleinem Imbiß
11.15 – 16.00 Uhr
Drucken und Setzen in der Werkstatt: Jeder Teilnehmer hat die Gelegenheit, eine eigene Visitenkarte zu setzen und anschließend auch auf einem von Hand zu bedienenden Boston-Tiegel selbst auf Büttenpapier zu drucken. Oder er kann sein persönliches Lesezeichen mit zweifarbigen, historischen Renaissance-Initialen selbst gestalten und auf Büttenpapier drucken. – Alles mit oder ohne Hilfe.
16.15 – 16.30 Uhr
Später – bei einem Glas Prosecco: Auf Wiedersehen! – Arrivederci! – Goodbye! –  Au revoir !  – ¡Hasta luego! –  Uf Wiederluege! – Bis zum nächsten Jahr!

Übernachtung

Nachfolgend genannte Hotels liegen in unmittelbarer Nähe.

Hotel Martha Dresden
Nieritzstraße 11, 01097 Dresden
E-Mail rezeption@hotel-martha-dresden.de
Telefon 03 51/81 76-0
inkl. Frühstück EZ 72,– / DZ 105,– Euro
Motel One
Palaisplatz 1, 01097 Dresden
E-Mail dresden-palaisplatz@motel-one.com
Telefon 03 51/65 57 38-0
inkl. Frühstück EZ 68,50 / DZ 88,– Euro
nH Hotel Dresden
Hansastraße 43, 01097 Dresden
E-Mail nhdresden@nh-hotels.com
Telefon 03 51/84 24-0
Preis bitte erfragen

Reservierung bitte kurzfristig selbst vornehmen.

Adresse

»Schriftenfest Dresden 2017«
Offizin Haag-Drugulin Dresden
Großenhainer Straße 11a
01097 Dresden – (im Gebäude der früheren Schriftgießerei Typoart)
Telefon 03 51/8 08 52-00